Wendy Giubbini

(28), aus Solothurn

In der Sekundarschule ging das Gerücht um, ich hätte ein anderes Mädchen aus der Parallelklasse geküsst. Einige Kinder haben mich dann direkt auf dem Schulhof darauf angesprochen, ob das stimme. Ich habe verneint, denn ich hatte wirklich kein Mädchen geküsst. Die Schulglocke begann zu läuten und alle strömten wieder zurück ins Zimmer. Da stellten sich plötzlich zwei Mädchen mir in den Weg und sagten: «Verpiss dich, du Dräckslesbe». Ein anderes Mädchen rief hinterher: «Genau, du gruusigi Lesbe. Hau ab». Sie liessen mich zwar hinein, doch von da an begannen die Schikanen.

Einige Tage später verteilte die Klassenlehrerin Gruppenarbeiten und wies mich einer anderen Schülerin zu. Sie begann zu motzen und fragte die Lehrerin, ob sie mit jemand anderem arbeiten könne. Sie flüsterte ihrer Kollegin zu: «Die wott mich sicher ahmache, die Gruusigi». Regelmässig haben mir die Jungs Radiergummis und Papierkügelchen angeworfen. Vor dem Turnen musste ich mich alleine in der Garderobe umziehen. Die anderen Mädchen haben gewartet, bis ich in der Turnhalle war. Beim Spielen haben sie mir extra den Ball an den Kopf geworfen. Sie haben mir zwar physisch nie was angetan, aber der Psychoterror war enorm. «Pass uf, wo du hi gahsch. Mir werdet scho luege. Viellicht wirsch de Wäg hei nümme schaffe», haben mir die Jungs gedroht.

Ich war glücklich, als ich eines Tages raus aus der Schule konnte. Ich hatte danach eine Zeit lang eine richtige Männerphobie. Doch ich konnte sie mittlerweile ablegen. Auch dank der RS, die ich gemacht habe. Heute lebe ich glücklich als Lesbe und stehe offen zu mir.

Nick_Micha
Pstiwan