Vinci D’Adamo

(40), aus Luzern

Seit ich 16 bin, stehe ich zu mir. Wenn ich einen Freund habe, dann gehe ich mit ihm auch Hand in Hand durch die Stadt. Egal was andere denken. Mit 17 wurde mir das zum ersten Mal zum Verhängnis. Nach dem Ausgang wurden wir in Zürich auf dem Nachhauseweg von sechs jungen Typen blöd angemacht. Sie schlugen mir die Faust ins Gesicht und kickten meinem Freund in den Bauch. Resultat: Mit Prellungen und inneren Blutungen in der Notaufnahme. Wir haben den Kummer mit zwei Flaschen Rotwein und vielen Tränen verarbeitet.

Mit 19 passierte mir in Basel das Gleiche. Drei Männer riefen uns «Dräcksschwuchtle» hinterher. Zuerst haben wir sie ignoriert, dann uns gewehrt. Gleiches Resultat: Prellungen, Spital, Weinflasche. Mit 21 wieder in Zürich nach einer Feier. «Eu sött mer verbränne und erhänke» riefen sie uns zu siebt und bildeten einen Halbkreis. Wieder landeten wir mit Quetschungen und Prellungen im Spital. Mit 23 nachts in Luzern auf dem Weg zum Bahnhof. Plötzlich fährt ein BMW langsam an uns vorbei und parkiert vor uns. Sie steigen zu fünft aus und der eine hält mir sein Messer an den Hals. «Ich bring dich um. Ihr Schwule sind Abschuum». Wir kamen zum Glück davon. Doch ich spüre die Klinge noch heute am Hals.

Mit 24 in Bern. Zehn besoffene Typen mit Wodka und Orangensaft in der Hand zetteln eine Schlägerei an. Wir kommen zwar einigermassen heil zu Hause an. Doch wir hatten ein blaues Auge und zitterten. Ich habe jeden Fall bei der Polizei angezeigt. Man hat die Angreifer nie erwischt. Manchmal bin ich überrascht, dass ich noch lebe. Doch ich lasse mich nicht einschüchtern. Ich will offen schwul leben.

Nick_Micha