Unter dem Motto „NO FEAR TO BE YOU“ möchte das Zurich Pride Festival auf die Situation von LGBT- (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) Flüchtenden aufmerksam machen.
Seit dem zweiten Weltkrieg waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Die Menschen flüchten vor Krieg, Unruhen, Verfolgung, Folter und anderen lebensbedrohlichen Situationen. In Europa ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, wie wir mit Menschen auf der Flucht umgehen sollen. Die Diskussion läuft emotional, die Fronten sind verhärtet. Wenig thematisiert in dieser Debatte wird hingegen, dass Menschen auch flüchten, weil sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder/und Geschlechtsidentität verfolgt werden oder bedroht sind!
Auch in der Schweiz gibt es viele Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität aus ihrem Heimatland flüchteten. Diese Menschen sind hier in der Schweiz mit vielfältigen Problemen konfrontiert, auch im Asylverfahren. Viele empfinden tiefe Scham, sich über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität, aber auch erlebte (sexuelle) Gewalt, gegenüber einer Behörde zu äussern, beispielsweise wenn die dolmetschende Person aus demselben Kulturkreis oder Land stammt. Sie verschweigen den wahren Asylgrund zu Beginn und können oftmals erst darüber sprechen, wenn es für das Asylverfahren aus Sicht der Behörden zu spät ist. In den Asylunterkünften sind diese Menschen ebenfalls oft isoliert und leben in ständiger Angst, dass ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität bekannt wird. Für Transmenschen kann allein schon die Nutzung der WCs und Duschen gefährlich sein und wird daher vermieden – mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Brauchen Transmenschen eine medizinische Geschlechtsangleichung, so erhalten sie meist keine oder erst mit grosser Verzögerung Zugang dazu.
Für LGBT-Geflüchtete ist es sehr schwierig Anschluss an die Schweizer Community zu finden. Denn die meisten haben kein Geld, um an Community-Events teilzunehmen oder nur schon dorthin zu gelangen. Hinzu kommt Gewalt und Hassreden – teilweise gar aus der LGBT-Community.
Obschon unbestritten ist, dass in vielen Ländern Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bedroht, verfolgt und geächtet werden, kennt das Schweizer Asylgesetz keinen expliziten Fluchtgrund aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Während im Asylgesetz ein Hinweis zu frauenspezifischen Fluchtgründen vermerkt ist, fehlt ein solcher Hinweis in Bezug auf LGBT-Fluchtgründen. Entsprechend schwierig ist es für LGBT-Asylsuchende Schutz in der Schweiz zu erhalten. Immer wieder werden Asylgesuche abgelehnt mit skandalösen Begründungen, wie beispielsweise „man müsse sich halt diskret in seinem Land verhalten“ oder obschon Homosexualität in einem Land unter Strafe gestellt ist, hätten die LGBTs dort nichts zu befürchten.
Die Zurich Pride fordert in aller Deutlichkeit:
  • Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität flüchten, müssen in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt werden.
  • Der besonderen Situation von LGBT-Asylsuchenden ist Rechnung zu tragen. So müssen die Befragungen von geschultem Personal durchgeführt werden, welches die nötige Sensibilität hat. Dies gilt auch für die dolmetschenden Personen.
  • Kein Asylgesuch darf mit der Begründung abgelehnt werden, dass sich die Person im Heimatland diskret verhalten kann.
  • Wenn homosexuelle Handlungen in einem Land unter Strafe gestellt werden, reicht dies als Fluchtgrund, unabhängig davon, wie häufig die Strafen tatsächlich verhängt werden.
  • LGBT-Asylsuchende werden in für sie sicheren Unterkünften ausserhalb der Asylzentren / Gruppenunterkünften untergebracht; Partner_innen werden nicht getrennt.
  • LGBT-Asylsuchenden müssen seitens der Behörden über Beratungs- und Kontaktstellen für LGBT-Flüchtlinge informiert werden, damit diese einen einfacheren Zugang dazu finden.
  • Wir dulden keine Fremdenfeindlichkeit, keinen Rassismus, keine Fetischisierungen aufgrund der ethnischen Herkunft oder andere Formen von Gewalt und Diskriminierung von Geflüchteten an der Pride.

Denn niemand soll Angst haben, sich selbst zu sein! Wir sind eine Community – weltweit.